Horst – Renaissance, Barock u.v.m.

Zwischen Feldern und Alleen, umgeben von feinster Brandenburger Weite liegt Horst. Kommt man von der Autobahn biegt man auf der Straße nach – rechts in einen eher unscheinbaren Straßenarm ab. Vorbei an ein/zwei Autoreifenhügeln erreicht man schon das Ortseingangsschild. Horst. Horst begrüßt uns von Osten kommend mit zwei etwas lieblos wirkenden 50erJahre Plattenbauten in Dorf-Edition. Kommen wir von Westen – vom Bahnhof Blumenthal oder vom dortigen Holz-Aussichtsturm – fahren wir an Solarfeldern vorbei, können auf der linken Seite im Winter schon einen Blick erhaschen wieso wir diesen Weg in die Brandenburger Weite auf uns genommen haben.

DEIN BESUCH

Lage in Brandenburg

Kurz hinter dem Ortseingangsschild begrüßt uns auch von Westen kommend die DDR-Architektur. Allerdings in besonderer Form. In den 50ern errichtete man hier eine Landwirtschaftsschule im Neoklassizistischen Stil. Diese ist von beachtlicher Größe und zeigt, welcher Ehrgeiz hinter so manchen Überlegungen damals stecken könnte.

Landwirtschaftsschule 1950er J.
Einfahrt zum Gutshof

Angekommen in der „Dorfmitte“ ist die Einfahrt zum Gutshof und den daraufliegenden Gutsgebäuden unschwer zu erkennen.

Bevor wir uns im malerisch verwilderten Gutspark in Träumen verlieren, beachten wir noch die Gutskapelle gegenüber der Gutseinfahrt auf der anderen Straßenseite. Nach dem Dreißigjährigen Krieg in Fachwerkkonstruktion als schnelle Notlösung erbaut, weil die Kapelle im Renaissance-Schloss zerstört war, ist sie jetzt in ihrer besonderen Ausführung etwas besonderes. Im Inneren ist sogar ein Grabmal von Schadow enthalten.

 Aber wo ist jetzt das Renaissance-Schloss? Naja es ist nicht mehr so ganz erhalten , also nur ein Treppenturm und eine Mauer genau genommen.

Wenn wir durch die Einfahrt vom Gutshof gehen, laufen wir flankiert von einem großen langen Stallgebäude vom Ende des 19. Jahrhunderts und einem Wirtschaftsgebäude und dem Gutsverwalterhaus, Anfang 20. Jahrhundert, auf das barocke Gutshaus zu. Barock? Nicht Renaissance? Ja.. Den Anfang machte ein Renaissanceschloss. Eine vermutlich dreiflügelige Anlage, ausgebaut als Wasserburg, die im dreißigjährigen Krieg stark zerstört wurde.

Barockes Gutshaus und Renaissanceschloss-Ruine

Da die Grafen zu Blumenthal dennoch einen würdigen Sitz benötigten, bauten sie teilweise auf dem Grundriss des alten Schlosses ein neues Gutshaus. Dieses ist in seinen Grundzügen noch in der barocken Form erhalten. Mansarddach und viele Details im Innenraum zeugen von dem kleinen aber feinen Prunkstück. Der Gutspark wurde zugehörig zum barocken Gutshaus angelegt und von Lenné gestaltet.

Bahnt man sich einen Weg durch den verwilderten Park, gibt es immer wieder malerische Blicke zur Renaissance-Ruine, zum barocken Gutshaus, über den Gutsteich und die Spiegelungen im Wasser.

Aktuelle Nutzung

Die Gutsanlage inklusive der DDR-Landwirtschaftsschule ist heute in Privatbesitz.

Es ist möglich, den Park zu begehen, es ist jedoch alles sehr verwildert und bewachsen. Das Gelände ist ein Privatgelände. Bitte Rücksicht nehmen!
Das Innere des Gutshauses ist nicht zugänglich. Es ist auch schwer baufällig und darf nicht betreten werden. Ich konnte vor einigen Jahren mit der Erlaubnis der Eigentümer das Innere besichtigen.

Die Besitzer betreiben einen modernen Energiewirtschaftsbetrieb,
eine Tierarztpraxis sowie zwei Ferienwohnungen. Das Gut steht als
Ensemble unter Denkmalschutz. Auf dem Gutshof veranstalten die
Besitzer Jagdveranstaltungen und vermieten Räume für Festlichkeiten.
An der Dorfstraße stehen etwa 20 Einfamilienhäuser und zwei
Mehrfamilienhäuser aus DDR-Zeiten.

Geschichte

Horst bedeutet frei interpretiert „Trockene Stelle im feuchten Gelände“ Das lässt darauf schließen, dass Horst schon zu slawischer Zeit besiedelt war. Das erste Mal urkundlich erwähnt wird Horst 1421 in einem Waffenstillstandsvertrag zwischen Brandenburg und Mecklenburg. Seitdem ist immer der Name der Familie zu Blumenthal mit Horst in Verbindung. Es war wohl deren Hauptwohnsitz.
Die Familie von Blumenthal ist ein altes Prignitzer Adelsgeschlecht. Aus schriftlichen Quellen weiß man, dass sie ihren Rittersitz in Horst um 1534 „schlossartig ausbauen“ ließen. Seit dieser Zeit ist das Schloss in Horst meist als „Altes Schloss“ erwähnt.
Während des Dreißigjährigen Krieges ist die Prignitz schwer von Verwüstungen durch die kaiserlichen und schwedischen Truppen heimgesucht worden. Man geht davon aus, dass dabei große Teile des alten Schlosses Horst zerstört wurden.
In den darauffolgenden Jahrhunderten gab es ständige Besitzerwechsel des Gutes bis 1945 die damaligen Besitzer im Zuge der Bodenreform enteignet wurden. Diese hatten die Gebäude des Gutshofes um 1894 mit den zwei großen Wirtschaftsgebäuden, wie wir sie jetzt sehen, neu errichten lassen.
Im Jahre 1954/55 wurde in Horst eine landwirtschaftliche Berufsschule erbaut, die noch bis 1995 in Betrieb war. Die Architektur des Gebäudes ist mit dem großen Portikus mit einem Relief im Giebel sehr auffallend.
Neben dem volkseigenen Gut hat die Landwirtschaftsschule das dörfliche Leben zu DDR-Zeiten in Horst und Umgebung maßgeblich geprägt. Wo es vorher nur einige Einfamilienhäuser an einer langen Dorfstraße gab, die früher vermutlich als Häuser für Gutsarbeiter entstanden waren, wurden zu DDR-Zeiten am Rande des Dorfes DDR-typische Mehrfamilienhäuser erbaut. Das volkseigene Gut wurde in dieser Form kurz nach 1990 aufgelöst. Es kam zu fast völligem Verfall. Um den Verfall zu stoppen, riss man alle Produktionsgebäude des Gutes bis auf zwei Stallgebäude ab.
Seit 1998 ist das komplette Anwesen im Besitz der Familie von Lewinski, die bis heute einen modernen Gutsbetrieb in Horst betreiben und mit der Bewirtschaftung auch gegen den Verfall der Gebäude angingen.

Gebäude & Besonderheiten

Altes und neues Schloss

Die heutige Ruine, das alte Schloss, war ursprünglich ein vierflügeliges Renaissanceschloss, das von einem Wassergraben umgeben war. Erhalten ist nur noch ein Teil des Nordflügels des ehemaligen Palas‘ und der polygonale Treppenturm. Dieser Teil war bis Anfang des 18. Jahrhunderts bewohnt und bis Mitte des 19. Jahrhunderts auch noch überdacht. Gut erhaltenes Baumaterial vom zerstörten Südflügel verwendete man, um 1752 ein neues Schloss zu errichten. Zwischen der heutigen Ruine des alten Schlosses und dem neuen Schloss steht jetzt eine alte Eiche anstelle des ehemaligen Schlosshofes.

1752 wurde ein „Neues Schloss“ gebaut, das bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts für sehr unterschiedliche Zwecke genutzt wurde. Das neue Schloss hat die typische Form eines barocken brandenburgischen Gutshauses.
Mit der Errichtung des neuen Schlosses legte man auch eine
Parkanlage mit Teich und Brücken an.
Das neue Schloss war bis 1945 bewohnt und wurde zu DDR-Zeiten als Wäscherei, für Wohnungen und für einen „Konsum“ genutzt. Seit der Wende steht es leer.

Gutskapelle

Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges wurde 1688 auf der östlichen Seite des heutigen Wirtschaftshofes eine Gutskapelle aus Abrisssteinen des alten Schlosses erbaut. Sie ist als kleines Fachwerkgebäude gebaut und typisch für diese Zeit als Notkirchen
errichtete Gebäude.
Die unscheinbare Gutskapelle in Horst hat eine Besonderheit.
1794 beauftragte der damalige Graf von Blumenthal ein Grabmal für seinen sehr jung verstorbenen Sohn. Das Grabmal schuf Johann Gottfried Schadow, der auch die Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin schuf und als einer der bedeutendsten Vertreter des Klassizismus gilt.

Besonderheiten

An der Renaissanceschloss-Ruine kann man bei genauem Hinschauen noch einige Verzierungen und Formsteine entdecken. Diese lassen vermuten wie aufwändig gestaltet das dreiflügelige Schloss einmal gewesen sein muss. Ähnliche Beispiele in der Region sind Demerthin oder Freyenstein.


Eine Antwort zu „Horst – Renaissance, Barock u.v.m.”.

  1. Avatar von wanzeklaureli1998
    wanzeklaureli1998

    wow!! 46Denkmäler des Zweiten Weltkriegs: Atlantikwall-Festungen entlang der französischen Küste

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