Kloster Stift zum Heiligengrabe

Ausflug zu den Zisterzienserinnen und einem Stück preußischer (Frauen-) Geschichte in die Prignitz. Hier ist so viel zu entdecken, dass daraus wohl noch mehrere Beiträge auf meinem Blog werden. Viel Spaß beim Lesen und vielleicht schon bald beim nächsten Ausflug!

Dein Besuch

Lage in Brandenburg

Anlage

Inmitten von Feldern und Wald zwischen Autobahn und Bundesstraße liegt das Dorf Heiligengrabe. Verkehrsgünstig gelegen am Autobahndreieck Wittstock Dosse kennen vielleicht einige den Namen von einer Autofahrt Richtung Hamburg bzw. Berlin.
Doch viele wissen nicht, dass sich dort die besterhaltenste Klosteranlage des Landes Brandenburg befindet. Eine wunderschöne Anlage des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters aus Stiftskirche, teilweise noch umschlossen von der mittelalterlichen Klostermauer, mit dreiseitiger Abtei und Kreuzgang, die besondere Heiliggrabkapelle sowie viele weitere Gebäude laden zum Wandeln und Entdecken ein.
Der gute Zustand der Gebäude hängt eng mit der durchgehenden über 700-jährigen Geschichte des Ortes zusammen.

Der Weg vom Bahnhof durch den Wald zum Kloster.

Aktuelle Nutzung

Konzerte, Vorträge und mehrtätige Seminare laden Besucher ins Kloster ein. In der Abtei und in verschiedenen Klostergebäuden gibt es Gästezimmer. Ein Hotel mit Restaurant auf dem Gelände, welches unabhängig geführt wird, bietet die Möglichkeit bei einem Ausflug einzukehren. Die Klausur mit Stiftskirche ist von März bis Dezember für Besucher geöffnet. Kreuzgang, Ausstellungsräume und Stiftskirche sind dann mit Eintritt zugänglich. Die Heiliggrabkapelle ist nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen (meist täglich 14 Uhr). Das Außengelände kann man jederzeit begehen.

Highlights für Besucher sind der Tag des offenen Denkmals im September und der Adventsmarkt im Kreuzgang am dritten Adventssamstag.

Geschichte

Der Ursprung des Klosters ist auf die Gründung durch Markgraf Otto von Brandenburg im Jahre 1287 zurückzuführen. Den Überlieferungen zufolge kamen die ersten Nonnen aus einem Mutterkloster in der Altmark nach Heiligengrabe. Zur Zeit der Reformation in Brandenburg 1539 widersetzten sich die die Nonnen anfangs der Säkularisierung des Klosters und verließen es. Nach Verhandlungen mit dem Adel und Kurfürst Joachim II. kehrten sie 1549 zurück und waren seitdem evangelische Stiftsdamen.
Die Stiftsdamen kamen überwiegend aus preußischen Adelsfamilien. 1847 wurde ein Internat für Mädchen eingerichtet, das bis 1945 bestand. Die letzten Schülerinnen flohen mit der Äbtissin zu Kriegsende in den Westen. Anschließend wurde das Kloster Wirkungsstätte für die Oberschlesien vertriebenen Diakonissen der Friedenshort-Schwesternschaft. Diese zogen 1997 wieder aus der Klausur und den Stiftsgebäuden aus. Das Kloster wurde fortan als Denkmal nationaler Bedeutung anerkannt und die Sanierung der Gesamtanlage begann. Zu dieser Zeit bildete sich auch ein neuer Konvent.

Seit 2001 wirken wieder eine Äbtissin und mehrere Stiftsdamen auf dem Klostergelände. Und im Laufe der nachfolgenden Jahre wird ein Veranstaltungs- und Kulturprogramm erarbeitet.
Die Jugendbauhütte Brandenburg, die seit 2003 den einstigen Gutshof des Klosters saniert hat, bringt seitdem viele junge Leute auf das Gelände. 2016 wurde dem Kloster der Deutsche Preis für Denkmalschutz, die silberne Halbkugel, verliehen.

Apsis der Stiftskirche mit Häusern am Damenplatz und Friedhof

Gebäude & Besonderheiten

Abtei

Die Abtei ist wohl das Herzstück eines jeden Klosters.
An die gotische schlicht gehaltene Stiftskirche (für Zisterzienserkirchen üblich) im Süden des vierseitigen Komplexes schließt sich die Klausur mit drei Flügeln an. Ebenerdig befindet sich klassisch der rundherum führende Kreuzgang. Im Westflügel der Klausurgebäude befindet sich im Erdgeschoss der große Kapitelsaal, ehemals Refektorium (früher der Speisesaal in einem Kloster). Im Nordflügel gibt es ein eingewölbtes heutiges Trauzimmer sowie im Ostflügel Ausstellungsräume.
Der Bau der Klausurgebäude begann Ende des 13. Jhdt. Begonnen wurde mit dem des Ostflügels. Um 1510 wurden der Kreuzgang und der Kapitelsaal eingewölbt. Nach einem Brand 1719 mussten viele Bereiche umgebaut bzw erweitert werden. Friedrich August Stüler restauriert den Nordflügel nochmals 1842 auch nach außen hin.
Im Obergeschoss liegen heute die Büros für die Verwaltung des Kloster Stiftes, Tagungsräume und ein Frühstücksbereich.
Der eindrucksvolle Stufengiebel der Sitftskirche wurde erst 1904 erneuert. Vorher schloss der Giebel mit einem hölzernen Turm ab.

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Heiliggrabkapelle

Die Heiliggrabkapelle steht westlich der Abtei etwas abgerückt. Sie ist mit der Gründsbau des Klosters. Der heutige Bau wurde in seiner äußerlichen gotischen Formsprache mit Stufengiebel und Fries 1520 fertiggestellt. Die Heiliggrabkapelle ist ein besonderes Schmuckstück für sich. In der Kapelle findet täglich das Mittagsgebet um 12 Uhr mit den Stiftsdamen statt. (Die Besonderheiten und was es mit dem Namen „Heiligengrabe“ auf sich hat erkläre ich deshalb in einem eigenen Beitrag)

Damenplatz

Der Damenplatz bildet sich östlich der Abtei aus mehreren Gebäuden, deren Grundsteinlegung 1722 erfolgte. Ursprünglich lebten dort die Stiftsdamen. Deswegen auch der Name „Damenplatz“. Die hübschen barocken Fachwerkhäuser sind mittlerweile fast alle saniert und werden bewohnt oder als Unterkunft vermietet.

Ehemaliger Gutshof – Seminarzentrum Jugendbauhütte

Der ehemalige Gutshof schließt das Gelände des Klosters nach Süden hin zur heutigen Bundesstraße ab. Ein Ensemble aus Speicher, Kuhstall, ehemaliger Brauerei, Pferdestall sowie zwei Wohnhäusern umschließen einen großen Hof, der heute als Parkplatz genutzt wird. Seit 2003 werden die Gebäude von der Jugendbauhütte Brandenburg genutzt und saniert.
Die Jugendbauhütte ist ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten. Junge Leute können dort ein Freiwilliges soziales Jahr in der Denkmalpflege absolvieren. Heiligengrabe dient als Einsatzstelle, das heißt zwei Freiwillige leben ein Jahr lang in der ehemaligen Brennerei und helfen mit bei der Sanierung des Klosters. Außerdem kommen sechs Wochen im Jahr alle Freiwilligen aus Brandenburg in Heiligengrabe zusammen, um gemeinsam an denkmalpflegerischen Projekten zu arbeiten und auf dem ehemaligen Gutshof zu wohnen.

Stiftshauptmannshaus

Das Stiftshauptmannhaus befindet sich neben der Heiliggrabkapelle. Es wurde im klassizistischen Stil 1838 errichtet. Der Stiftshauptmann war der geschäftliche Vorsteher des Klosters. Grob gesagt hatte die Äbtissin die Oberhand bei den geistlichen Themen des Stiftes und der Stiftshauptmann die weltlichen Themen. Heute ist dort eine gemeinnützige Schule untergebracht. Von 2000 bis 2018 waren außerdem im Erdgeschoss des Stiftshauptmannshauses Ausstellungsräume über die Geschichte des Klosters untergebracht.

Besonderheiten

„Pickelhaube“

Das Kloster Stift hatte die Gunst des Kaiserhauses inne. Dies bezeugt auch der 1907 gebaute Treppenturm, der im Auftrag des Kaisers Wilhelm II. vom Oberhofbaurat Ernst von Ihne und bevorzugten Architekten des Kaisers entworfen wurde.
Der Turm diente den Internatsschülerinnen als Aufgang zu den Schul- und Schlafräumen.
Aufgrund der Dachform, die an einen wilhelminischen Helm erinnert nannten die Stiftsschülerinnen den Turm auch „Pickelhaube“.

Majolika, Heilige Caecilie

Für den Aufgang des „Kaiserturms“ stiftete Kaiser Wilhelm der II. eine Majolika aus den Königlichen Majolika-Werkstätten. Diese wurde 1908 gefertigt und in den extra dafür vorgesehenen Ziegelbogen eingesetzt. Die Majolika ist sehr kostbar den Schülerinnen die Gunst des Kaisers täglich vor Augen führen.

Nonnenempore und Portal

Im Mittelalter hielten sich die Nonnen in der Kirche während des Gottesdienstes nur auf der Nonnenempore auf. Dies sollte die Trennung zwischen dem Klerus (den Geistlichen) und den Laien aufrecht erhalten. Die Nonnenempore in Heiligengrabe ist nicht mehr erhalten. Sie erstreckte sich über einen Großteil der Stiftskirche. Die Abmessungen sind noch an den Wänden erkennbar. Das Portal zur Nonnenempore wurde freigelegt und ist über die Ausstellungsräume im ersten Stock erreichbar. In der Kirche zeigt eine hölzerne Tür wie man sich das Portal vorstellen kann.


Eine Antwort zu „Kloster Stift zum Heiligengrabe”.

  1. Avatar von Mara
    Mara

    Sehr schöner Post!

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